> Tätigkeitsbericht 2008

1. Mitglieder
Pfarrer Stefan Roth, Zermatt (Präsident/Bistum Sitten); René Hefti-Stauffer, Valbella (Vizepräsident/Tourismusbranche); Birgitta Aicher, Solothurn (Bistum Basel); Dr. Urs Bischof, Gentilino (Bistum Lugano); Michael Ehrhardt, Bad Ragaz (Bistum St. Gallen); Pfarrer Simon Eicher, Davos Platz (Bistum Chur) – seit Herbst 2008; Pfarrer Andreas Fuchs, Lenzerheide (Bistum Chur) – bis Sommer 2008; GV Dr. Martin Kopp, Brunnen (DOK); Amadé Perrig, Zermatt (Tourismusbranche); Pater Kolumban Reichlin, Einsiedeln (Geschäftsführer).

2. Laufende Tätigkeiten

«Euro 08»
Im Zentrum der Kommissionstätigkeit stand 2008 die Mitarbeit am Projekt «Kirche08» im Rahmen der Fussball-Europameisterschaft «Euro 08». In bewusster Auseinandersetzung mit dieser haben sich die katholischen und evangelischen Landeskirchen in der Schweiz und in Österreich zusammengeschlossen, um das binational und ökumenisch angelegte Projekt «Kirche 08» unter dem Dach der «Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz» (AGCK) und des «Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich» (ÖRKÖ) auf die Beine zu stellen. Oberstes Steuerungsorgan war die binationale ökumenische Koordinationsgruppe «Kirche 08»; sie stand unter dem gemeinsamen Vorsitz von Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster in Zürich, und von Stefan Roth, Pfarrer von Zermatt; die Entscheidung, die Leitung der Koordinationsgruppe ökumenisch auf zwei Personen aufzuteilen, hatte zuvor der Rat der AGCK getroffen. Der ökumenischen binationalen Koordinationsgruppe gehörten von Seiten der Kommission für Tourismus-, Freizeit- und Pilgerseelsorge neben deren Präsident Pfarrer Stefan Roth auch deren Vizepräsident René Hefti-Stauffer, Valbella, an, der im Sommer 2005 erste Kontakte zum Europäischen Fussballverband UEFA in Nyon knüpfte, um die Möglichkeit einer Akkreditierung der beiden Landeskirchen abzuklären; mit Schreiben vom 23. Juni 2007 hatte die «EURO 2008 SA» als Organisatorin der Wettspiele die Zustimmung zur Zusammenarbeit erteilt. Mitglied der Koordinationsgruppe waren auch Vertreter des SEK, der SBK und der AGCK sowie der Landeskirchen von Bern, Basel und Zürich; vertreten waren auch die Kommunikationsleiter des SEK und der SBK sowie der Leiter der Kommunikation der katholischen Kirche im Kanton Zürich; ferner die Bibelgesellschaft, die Kommission Kirche und Tourismus des SEK sowie die Hilfswerke der Schweizer Landeskirchen.

Die Zielsetzungen des Projekts «Kirche08» wurden Anfang 2008 definiert und von den Kirchenleitungen des SEK, der SBK und des ÖRKÖ gutgeheissen: Die Kirchen strebten an allen Austragungsorten einen einheitlichen ökumenischen Auftritt an, verstanden ihre Präsenz an der «Euro 08» als Teil der Umsetzung der «Charta Oecumenica», kommunizierten «Kirche» als Teil der Zivilgesellschaft und als Gemeinschaft im Dienst der Gesellschaft und nahmen zusammen mit der öffentlichen Hand eine Gastgeberrolle wahr. Schliesslich nahmen die Kirchen die «Euro 08» zum Anlass, Modelle der «Kirche am Weg» oder «Kirche bei Gelegenheit» zu konkretisieren.

Dazu hat die Koordinationsgruppe auf binationaler Ebene (in Österreich und in der Schweiz) folgende Projekte geplant und durchgeführt:

  • Die Entwicklung eines gemeinsamen ökumenischen Logos (Marke); dass sich die Landeskirchen zweier Länder im Rahmen eines gesellschaftlichen Grossereignisses unter einer Marke und einer Botschaft «Kirche 08 – am Ball seit 2008 Jahren» zusammenschlossen, war ein kirchenpolitischer wie auch öffentlichkeitswirksamer Erfolg. In dieser Art war dies in Europa erstmalig.
  • Die Internetplattform www.kirche08.eu wurde eher als internes Informationsmedium geschätzt und rund 25'000 Mal besucht.
  • In Österreich und in der Schweiz wurden 3000 Fan-Schals mit der Aufschrift «Kirche 08» / «Eglise 08» verteilt.
  • Überaus grosses Interesse zeigten Pfarreien und Kirchgemeinden am ökumenischen Projektwerkheft «Kirche 08»; insgesamt wurden deren 5000 als Unterstützung für die Umsetzung der Themen der «Euro 08» für Gottesdienst, Bildung und Diakonie in Pfarreien und Kirchgemeinden verteilt. Allen Pfarreien der Deutschschweiz wurden zusätzlich Predigthilfen zugestellt.
  • Die Mannschaften aller sechzehn teilnehmenden Nationen erhielten ein ökumenisches Begrüssungsschreiben; Deutschland bedankte sich herzlich, Italien wünschte eine Eucharistiefeier vor Ort, die wir für sie organisiert haben.

Auf nationaler Ebene (Schweiz) hat die Koordinationsgruppe folgende Projekte geplant und durchgeführt:

  • Die Pressekonferenz als Eröffnung der Präsenz der Kirchen an der «Euro 08» wurde durch die Anwesenheit von Bischof Norbert Brunner, dem Ressortverantwortlichen der SBK, und Pfarrer Thomas Wipf, dem Präsidenten des SEK, ökumenisch durchgeführt.
  • Eines der herausragendsten Ereignisse auf nationaler Ebene war die Planung und Durchführung des ökumenischen Gottesdienstes vom 25. Mai 2008 im Grossmünster in Zürich zu Beginn der «Euro 08»; er wurde unter dem Patronat der AGCK und der Beteiligung von Sportminister Bundesrat Samuel Schmid gestaltet, fand ein grosses öffentliches Interesse und wurde durch das Schweizer Fernsehen SF 1 übertragen. Der ebenfalls durch SF 1 übertragene Schlussgottesdienst am Ende der «Euro 08» in einer Kirchgemeinde in Basel Stadt wurde ebenfalls ökumenisch gestaltet.
  • Am 27. Mai 2008 erfolgte auf dem Sportplatz Liebefeld in Köniz (BE) der interreligiöse Fussballmatch «FC Religionen» gegen «FC Nationalrat» mit gegen 300 Zuschauenden und grossem medialem Echo, wodurch die Kirche als «Kirche nahe bei Gott und nahe bei den Menschen» positioniert und gezeichnet werden konnte. Das Fussballmach-Projekt, das unter dem Patronat des Rates der Religionen stand, wird in enger Zusammenarbeit mit dem Rat der Religionen weitergeführt.
  • Die Gastgeberrolle, welche die Kirchen zusammen mit der öffentlichen Hand wahrgenommen haben, wurde unter anderem darin sichtbar, dass in allen vier Austragungsstädten die Stadtkirchen ihre Räume als Orte der Stille, des Gebets und der Besinnung im Rahmen der Citykirchenarbeit öffneten.
  • Im Rahmen der «Euro 08» kommunizierten sich die Kirchen als Teil der Zivilgesellschaft und als Gemeinschaft im Dienst der Gesellschaft. Zeugnis davon gaben die erfreuliche Zusammenarbeit mit den politischen und sportlichen Verbänden: Der Delegierte des Bundesrates für die «Euro 08», Dr. Benedikt Weibel, war an der offiziellen Pressekonferenz im November 2007 wie auch im Gottesdienst im Grossmünster am 25. Mai 2008 persönlich anwesend. – Ralph Zloczower, der Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes, war beim Fussballmatch «FC Religionen» gegen «FC Nationalrat», präsent. Der Fussballverband und die FIFA erwiesen sich als grosszügige Sponsoren. Alt-Bundesrat Adolf Ogi hielt neben Pfarrer Thomas Wipf, dem Vorsitzenden des Schweizerischen Rates der Religionen, die Eröffnungsansprache. Joseph Blatter schliesslich, der Präsident der FIFA, dankte der Koordinationsgruppe bei deren Besuch für die Verdienste der Kirchen an der «Euro 08». – Die Kirchen stellten sich als zivilgesellschaftliche Kraft vor Ort in den einzelnen «host cities» auch in den Dienst der Projektleitung. – Die Präsenz der Kirche in der Gesellschaft und in deren Dienst manifestierte sich auch im Spot mit dem «Kirche08»-Logo, welcher auf den grossen Screen-Wänden in den Bahnhöfen Bern, Lausanne, Genf, Basel, Zürich rund 10'000 Mal gratis ausgestrahlt wurde.
  • Die Kirchen nahmen die «Euro 08» auch zum Anlass, Modelle der «Kirche am Weg» oder «Kirche bei Gelegenheit» zu konkretisieren; erwähnt sei in diesem Zusammenhang insbesondere das Projekt «Wünsche ins Licht setzen», welches an den Austragungsorten Basel, Bern und Zürich folgendermassen umgesetzt wurde:
    Taktil in Basel: 140'000 Ausschneidebogen wurden durch die kirchlichen Medien verteilt, 4000 Bogen wurden zurückgeschickt, weitere 3000 Kerzenschifflein wurden durch die Jugendfachstellen gesammelt. Am 24. Juni wurden 5000 Schifflein mit Kerzen und Wünschen auf den Rhein gesetzt.
    Auditiv in Bern: In Zusammenarbeit mit den Lokalradios wurden 20'000 Hörende pro Tag mit den gesammelten Wünschen erreicht. Zudem wurden an der Ausstellungsmesse BEA 8000 Wunschschiffe gesammelt. Eine CD der Wünsche wird Ende Jahr herausgegeben.
    Visuell in Zürich: Durch die Screen-Wände am Grossmünster wurden 2000 SMS- und Mail-Wünsche von Zehntausenden von Menschen in der Fan-Meile gelesen.

Bei der Organisation von Anlässen ausserhalb der vier Austragungsorte Basel, Bern, Genf und Zürich war die Initiative einzelner Pfarreien und Kirchgemeinden gefragt. Stellvertretend für verschiedenste Aktivitäten auf regionaler und lokaler Ebene sei das Engagement des Kantons Graubünden erwähnt, der für eine Plakataktion in Weltformatgrösse sowie die Gestaltung einer Homepage zur Beantwortung ethischer Fragen auch finanzielle Unterstützung durch die beiden Landeskirchen Graubünden erfuhr.

Ein erfreulicher Erfolg war die Kampagne «Euro 08 gegen Frauenhandel», hinter der eine Trägerschaft von 23 Organisationen stand, unter ihnen die Hilfswerke der Schweizer Landeskirchen. Der entsprechende Informations-Spot konnte finanziert und in den Medien und Stadien gezeigt werden. Für die Unterschriftensammlung wurde das Ziel von 25'000 weit übertroffen. Durch die Integration der Kampagne ins Projektwerkheft wurde die enge Zusammenarbeit mit «Kirche08» und der «Euro 08» deutlich.

Als schwierig erwies sich die Koordination und Zusammenarbeit mit den kirchlichen Vertretungen in Genf. Fehlende Ressourcen, keine gute Struktur der Vertretung in der Koordinationsgruppe sowie die Bindung der Ressourcen durch das bevorstehende Jubiläum von Jean Calvin wirkten sich negativ auf das Projekt «Kirche08» aus. Einzig ein kleines Jugendprojekt wurde geplant und durchgeführt. – Befriedigend bis sehr gut erfolgte in Basel, Bern und Zürich unter Leitung der kantonalen Delegierten die Umsetzung des nationalen Projekts «Kirche 08» in der je eigenen Stadtkultur.

Die Kosten für die binationalen Projekte wurden zwischen SBK, SEK und ÖRKÖ aufgeteilt. Für die teils erheblichen Ausgaben für die lokalen Projekte an den Austragungsorten kamen die reformierten und katholischen Kirchenorganisationen vor Ort auf. «Kirche 08» wurde nur möglich durch das Zurverfügungstellen von Arbeitszeit durch die kirchlichen Arbeitgeber und durch das persönliche Opfer von Freizeit. So wendete alleine der 11-köpfige Ausschuss der Koordinationsgruppe für «Kirche08» insgesamt rund 2800 Mannstunden auf. Erleichtert wurde die Organisation zudem durch Spenden von Firmen und Fussballverbänden.

Eine Presseschau zum Engagement der Schweizer Landeskirchen an der «Euro 08» findet sich auf www.tourismusseelsorge.ch (Projekte/«Euro 08»).

Projekt «Kircheninfos und -angebote im Internet»
In Zusammenarbeit mit der Kommission «Kirche und Tourismus» des SEK und mit Schweiz-Tourismus ist ein Webauftritt in Arbeit, der auf der Internetplattform von Schweiz Tourismus (www.myswitzerland.com) Informationen zur religiösen Landschaft Schweiz bereitstellen und auf Angebote der Schweizer Landeskirchen hinweisen wird. Das Webportal wird voraussichtlich Ende 2009 aufgeschaltet.

Tätigkeit auf Diözesanebene
Im Sinne einer Breitenwirkung ihrer Bemühungen sucht die Kommission nach Wegen und Möglichkeiten, wie innerdiözesan, regional oder lokal zielorientiert Strukturen aktiviert oder aufgebaut werden können, die kirchliche und touristische Zentren und Verantwortungsträger zusammenführen und einen schöpferischen Erfahrungsaustausch ermöglichen. Mittels gezielter Sensibilisierungsprozesse bei in Tourismusdestinationen tätigen Seelsorgerinnen und Seelsorgern sollen Multiplikatoren gewonnen werden, die vor Ort im Rahmen des Sinnvollen und Möglichen Projekte anzustossen oder sachdienliche Strukturen zu entwickeln vermögen.

Einsiedeln, 21. April 2009 / Pater Kolumban Reichlin

Im Rahmen des binational (Schweiz und Österreich) und ökumenisch angelegten Projekts «Kirche 08 – am Ball seit 2008 Jahren» starteten die Landeskirchen in Graubünden zu Beginn der «Euro 08» eine Plakataktion in Weltformatgrösse.